Häufig gestellte Fragen

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zu unserer Arbeit in der zivilen Seenotrettung. Ist deine Frage nicht dabei, melde dich gerne bei uns.

Seenotrettung im Mittelmeer

Was macht zivile Seenotrettung eigentlich?

Mit unserem Schiff, der Thetis II, suchen wir im zentralen Mittelmeer nach Booten in Seenot. Treffen wir auf ein Boot, schätzen wir zuerst die Lage ein und leisten bei Bedarf sofort Erste Hilfe. Wir versorgen die Menschen mit Wasser und Essen, kümmern uns um Verletzte und Erschöpfte und informieren die italienischen Behörden, damit weitere Unterstützung kommt. Ist die Lage akut, werfen wir Rettungsinseln aus oder holen Menschen an Bord. Gemeinsam mit den italienischen Behörden sorgen wir dafür, dass die Menschen einen sicheren Hafen erreichen.

Warum ist zivile Seenotrettung notwendig?

Weil sonst kaum jemand rettet. Seit dem Ende der italienischen Rettungsmission „Mare Nostrum“ 2014 gibt es im zentralen Mittelmeer keine staatliche europäische Seenotrettung mehr, die diesen Namen verdient. Stattdessen finanziert die EU die sogenannte libysche Küstenwache, die Menschen auf dem Meer abfängt und in libysche Lager zurückbringt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit 2014 Zehntausende Menschen im Mittelmeer gestorben oder verschwunden, die meisten von ihnen auf der zentralen Route. Auch heute sterben Menschen im Mittelmeer, wenn sie nicht rechtzeitig gerettet werden. Zivile Crews schließen diese Lücke, retten Leben und sorgen dafür, dass das Sterben nicht unbemerkt bleibt.

Was passiert mit den geretteten Menschen?

Nach dem ersten Kontakt versorgen wir die Menschen medizinisch und menschlich. Mit unserer Präsenz wollen wir verhindern, dass sie nach Libyen zurückgebracht werden. In der Regel übergeben wir sie an die italienische Küstenwache. In anderen Fällen begleiten wir sie direkt nach Lampedusa, wo sie von den italienischen Behörden und Hilfsorganisationen in Empfang genommen werden.

Warum bringt ihr die Menschen nicht zurück nach Libyen?

Weil Libyen kein sicherer Ort ist. Das sagen auch die Vereinten Nationen. Menschen auf der Flucht werden dort in Lagern festgehalten, misshandelt, erpresst und ausgebeutet. Nach internationalem Seerecht müssen Gerettete an einen sicheren Ort gebracht werden. Eine Rückführung nach Libyen wäre damit nicht vereinbar.

Ist Seenotrettung überhaupt legal?

Ja. Mehr noch: Sie ist Pflicht. Das internationale Seerecht verpflichtet alle Schiffe, Menschen in Seenot zu helfen, egal wer sie sind und woher sie kommen. Trotzdem versuchen Staaten immer wieder, zivile Rettungsschiffe zu behindern, etwa durch Festsetzungen, Bußgelder oder weit entfernte Häfen. Wir lassen uns davon nicht abhalten.

Locken Rettungsschiffe nicht mehr Menschen aufs Meer?

Nein. Diesen sogenannten Pull-Faktor gibt es nach heutigem Stand der Forschung nicht. Studien haben keinen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit von Rettungsschiffen und der Zahl der Überfahrten gefunden. Menschen fliehen vor Krieg, Gewalt und Armut, ob ein Rettungsschiff da ist oder nicht. Ohne Rettung ertrinken nur mehr von ihnen.

Über r42 und die Thetis II

Was bedeutet der Name r42?

Das r steht für Rebellion, gegen das Wegschauen und gegen eine Politik, die Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lässt. Die 42 stammt aus Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort ist sie die Antwort auf die endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Unsere Antwort auf diese Frage ist einfach: Menschenleben retten. Wer in Seenot ist, wird gerettet, ohne Wenn und Aber.

Warum ein kleines Segelschiff?

Weil wir damit länger dort sind, wo wir gebraucht werden. Seit dem sogenannten Piantedosi-Dekret von 2023 weisen die italienischen Behörden Rettungsschiffen nach einem Einsatz oft Häfen im Norden Italiens zu, Hunderte Kilometer entfernt. Für große Schiffe heißt das: tagelange Anfahrten, hohe Treibstoffkosten und Zeit, in der niemand im Einsatzgebiet ist. Wir setzen deshalb auf ein kleineres Segelschiff, das vor allem Boote in Seenot aufspürt, Erstversorgung leistet und die Rettung koordiniert. So bleiben wir flexibel im Suchgebiet, verbrauchen deutlich weniger Treibstoff und können schneller reagieren. Jede Stunde vor Ort zählt.

Wann ist die Thetis II im Einsatz?

Die Thetis II ist bereits für die Seenotrettung ausgestattet und bekommt im Winter 2026/27 in einer letzten Werftzeit den letzten Schliff. Ab dem Frühjahr 2027 soll sie auf ihre erste Rotation gehen. Vorher sind wir zwischen 2021 und 2026 mit unserem Segelschoner Imara gefahren, der leider nicht mehr zu reparieren war.

Spenden und unterstützen

Wie finanziert sich r42?

Wir finanzieren uns ausschließlich durch Spenden von Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen. Da bei uns alle ehrenamtlich arbeiten, zahlen wir keine Gehälter. Spenden fließen in Ausrüstung, Wartung, Einsatzbereitschaft und Reisekosten für die Crew. Details findest du auf unserer Finanzen-Seite.

Kann ich meine Spende von der Steuer absetzen?

Ja. r42 ist als gemeinnützig anerkannt, deine Spende ist also steuerlich absetzbar. Spendest du per Überweisung, schicken wir dir eine Spendenbescheinigung, wenn du uns Namen und Adresse mitteilst. Bei Spenden über betterplace.org stellt betterplace die Bescheinigung aus. Für Spenden bis 300 € reicht dem Finanzamt dein Kontoauszug.

Was ist eine Schiffspatenschaft?

Als Schiffspat:in unterstützt du uns mit einer regelmäßigen Spende. Das gibt uns Planungssicherheit und sichert unsere Einsätze langfristig ab. Die Höhe bestimmst du selbst, und du kannst sie jederzeit ändern oder beenden. Hier Pat:in werden.

Kann ich auch an Land helfen?

Unbedingt. Ein Großteil unserer Arbeit passiert an Land, und dafür brauchst du keine nautische Erfahrung. Ob Öffentlichkeitsarbeit, Technik, Finanzen oder Organisation: Wir freuen uns über alle, die mit anpacken wollen. Vieles lernen wir gemeinsam. Melde dich über unsere Mitmachen-Seite.

Mitfahren: Wer kann dabei sein?

Kann ich selbst an Bord mitfahren?

Ja, wir suchen regelmäßig qualifizierte Crewmitglieder, vor allem aus den Bereichen Medizin, Nautik und Search & Rescue. Mehr dazu auf unserer Mitmachen-Seite.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Für alle Positionen gilt:

  • Du bist mindestens 18 Jahre alt.
  • Du bist seefest oder bereit, es herauszufinden, und körperlich und psychisch belastbar.
  • Du teilst unser Selbstverständnis und unser Awareness-Konzept.
  • Du kannst für die ganze Rotation dabei sein, inklusive Vorbereitung.

Welche Scheine und Erfahrungen du für eine bestimmte Position brauchst, steht bei der jeweiligen Position auf der Seite zur Schiffscrew.

Muss ich segeln können?

Nein. Für die Schiffsführung und die Wachen brauchen wir Segel- und Navigationserfahrung. Als Deckhand, in der Guest Care, der medizinischen Versorgung oder in der Kommunikation kannst du aber auch ohne nautische Vorkenntnisse mitfahren. Vieles bringen wir uns an Bord gegenseitig bei.

Wer ist mit an Bord?

Die Crew der Thetis II besteht aus sechs Personen. Wir achten auf eine ausgewogene Besetzung und wollen an Bord mindestens zur Hälfte FLINTA-Personen sein. Deshalb ermutigen wir besonders Frauen, LGBTQI*, BIPoC, Menschen mit Behinderungen und Menschen mit Migrationsgeschichte, sich zu bewerben.

Wie lange und wo arbeitet die Werftcrew?

Die Thetis II liegt im Winter 2026/27 in Licata auf Sizilien. Du kannst gerne dazukommen, ganz nach deiner Zeit. Unterkunft und Verpflegung vor Ort stellen wir. Mehr zu den Aufgaben findest du auf der Seite zur Werftcrew.

Die Rotation an Bord

Wie lange dauert eine Rotation, und wann finden sie statt?

Eine Rotation dauert 3 Wochen, inklusive 3 bis 5 Tagen Vorbereitung und Übergabe an Bord. Mit der Thetis II starten wir im Frühjahr 2027. Rotationen sind von Mai bis Oktober geplant. Im Fragebogen gibst du an, wann du Zeit hast.

Was kostet es mich, mitzufahren?

Bei r42 arbeiten alle ehrenamtlich, es gibt also kein Gehalt. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung während der Rotation übernehmen wir natürlich. Wer es sich leisten kann, darf die eigene Anreise gerne selbst tragen. Das ist aber keine Voraussetzung. Am Geld soll eine Teilnahme nicht scheitern. Sprich uns an, wenn du unsicher bist.

Wie bereitet ihr mich auf die Rotation vor?

Vor jeder Rotation gibt es ein Vorbereitungstreffen online und 3 bis 5 Tage Training an Bord. Dort lernt ihr euch als Crew kennen, übt die Sicherheitsabläufe und die Abläufe im Einsatz und klärt, wer welche Aufgabe übernimmt.

Was ist, wenn mich ein Einsatz belastet?

Was wir auf dem Mittelmeer erleben, kann schwer sein. Nach jedem Einsatz reden wir als Crew darüber, und für jede Rotation gibt es eine Awareness-Ansprechperson. Nach der Rotation gibt es ein Debriefing und auf Wunsch Kontakt zu psychosozialer Unterstützung.

Bewerbung

Wie läuft die Bewerbung ab?
  1. Du liest dir auf der Seite zur Schiffscrew oder zur Werftcrew die Positionen durch.
  2. Du füllst unseren Crewing-Fragebogen aus. Das dauert etwa 10 Minuten für die Seecrew und 5 Minuten für die Werftcrew. Danach bekommst du eine Bestätigung per E-Mail.
  3. Unser Crewing-Team meldet sich innerhalb von kurzer Zeit bei dir. Aber auch wir machen das komplett ehrenamtlich, daher kann es manchmal ein wenig dauern.
  4. Wir lernen uns in einem Videocall kennen und sprechen über deine Erfahrung, deine Fragen und darüber, welche Rolle zu dir passt.
  5. Passt es für beide Seiten, planen wir dich für eine Rotation ein und laden dich zur Vorbereitung ein.
Welche Unterlagen brauche ich?
  • Einen gültigen Reisepass
  • Nachweise für deine Position als Scan, z. B. Sportseeschifferschein, Sportküstenschifferschein, Sportbootführerschein See oder deine medizinische Ausbildung

Die Nachweise kannst du direkt im Crewing-Fragebogen hochladen.

Ich habe dieses Jahr keine Zeit. Kann ich mich trotzdem bewerben?

Ja. Wenn du einverstanden bist, speichern wir deine Angaben und kommen für spätere Rotationen auf dich zu. Du kannst jederzeit verlangen, dass wir sie löschen. Wie wir mit deinen Daten umgehen, steht in unserer Datenschutzerklärung.

Ich habe noch eine Frage zur Bewerbung.

Schreib uns an crew@r42-sailandrescue.org. Oder komm zu unserem Plenum in Freiburg.